© 2019 Katharina Hogenkamp

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Die Reifeprüfung mit Dakota Fanning

Sie ist eine der wenigen Kinderstars, die den Ruhm in der Filmwelt Hollywoods gut überstanden haben. Dakota Fanning spricht offen und ehrlich über den Druck, als Superstar aufzuwachsen, die Stärken einer Frau und die Zusammenarbeit mit ihrem Lieblingsregisseur Quentin Tarantino. 

ÜBER DIE SCHATTENSEITEN EINER HOLLYWOOD-KARRIERE ALS KIND „Ich wusste schon mit sechs Jahren, dass ich Schauspielerin werden wollte. Niemand hat mich je zu irgendetwas gezwungen. Wenn doch, war meine Mutter die Erste, die kurzerhand alles abgeblasen hat. Doch sie hat meine Leidenschaft für das Schauspiel früh erkannt und stets an mich geglaubt, obwohl sie sich etwas anderes für mich vorgestellt hatte. Deshalb hasse ich es, wenn mir unterstellt wird, ich sei dazu gedrängt worden. Als Kinderstar aufzuwachsen hat vor allem den Nachteil, dass man nie als vollwertige Frau wahrgenommen wird. Die Menschen halten einen automatisch für jünger, aber das habe ich mittlerweile akzeptiert. Neulich feierten meine Mutter, meine Schwester Elle und ich den 21. Geburtstag meiner Schwester in Las Vegas. Da fragte jemand: ‚Bist du nicht Dakota Fanning? Du bist doch dieses Mädchen!‘ Meiner Mutter tat ich leid, aber so ist es eben. Mich hat es nie sonderlich gestört. Allerdings kann ich verstehen, dass andere sich darüber ärgern und sich folglich in die andere Richtung entwickeln, um vorschnell erwachsen zu werden. Schnell sind dann falsche Entscheidungen getroffen und man versucht schließlich vor denjenigen, die einen immer noch für ein Kind halten, zu flüchten.“

ÜBER DIE VORTEILE MIT SUPERSTARS AUFZUWACHSEN „Tom Cruise hat mir während unserer Dreharbeiten für Krieg der Welten meinen ersten iPod und mein erstes Handy geschenkt. Von Kurt Russell bekam ich nach der Produktion von Ein Traum wird wahr ein eigenes Pferd. Es ging ihnen dabei weniger um die materiellen Werte, sondern darum, eine Erinerung zu teilen. An meinem zehnten Geburtstag drehte ich gerade einen Film mit Robert De Niro und die ganze Crew hatte für mich eine Überraschungsfeier in der Kantine organisiert, es gab all meine Lieblingsspeisen und jeder trug einen Party-Hut. Sogar bei meinem ersten Film Ich bin Sam schmückte Michelle Pfeiffer meinen Wohnwagen zum Valentinstag mit pinken und roten Luftballons, Dekorationsartikeln und Süßigkeiten. Dasselbe tat sie zu meinem siebten Geburtstag. Das sind Erinnerungen fürs ganze Leben.

DARÜBER, ENDLICH MIT TARANTINO ZU ARBEITEN „Ich wusste von den Dreharbeiten zu seinem Film Once Upon a Time in Hollywood und als treuer Fan schrieb ich ihm eine Nachricht. Er lud mich zum Casting ein und am Ende bekam ich die Rolle der Squeaky, einer realen Person mit ziemlich abgedrehtem Charakter. Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, anders kann ich es nicht beschreiben. Ich hätte vermutlich jede Rolle angenommen, freute mich aber umso mehr über diese Herausforderung. Bei unserem ersten Treffen war Quentin sehr warmherzig und super freundlich. Seine außergewöhnliche Leidenschaft für das Filmemachen zieht sich durch all seine Produktionen und das liest sich auch in seinen Interviews. Wenn man ihn trifft, merkt man es umso intensiver. Bei ihm herrscht am Set auch ein Telefonverbot, jeder gibt sein Mobiltelefon vor der Arbeit ab. Ich denke, er betrachtet das Filmemachen als solch eine Art Privileg, dass er es nicht ertragen könnte, wenn jemand währenddessen Candy Crush spielt.“

WARUM SIE AN LEBENSLANGE FREUNDSCHAFTEN GLAUBT„Ich lege Wert darauf, die Dinge richtig zu machen und dem Leben stets mit offenen Armen zu begegnen. Dazu gehört auch, mit den richtigen Menschen aus den richtigen Gründen zusammenzuarbeiten. Mir ist besonders die Nähe zu meinem Team wichtig und dass wir uns gegenseitig umeinander kümmern. Ich bin jetzt 25, meine Pressesprecherin Robin begleitet mich schon seit 12 Jahren. Da ich ein sehr loyaler Mensch bin, fühle ich mich zu Menschen mit ähnlichen Charaktereigenschaften hingezogen. Das Gleiche gilt für meine Freundschaften. Wenn wir befreundet sind, dann für immer. Anders kann ich es mir nicht vorstellen. Nicht jeder Mensch teilt diese Einstellung, also sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Ich habe das Glück, die besten Freunde der Welt zu haben. Meine Freundinnen und ich kennen uns seit der neunten Klasse, wir haben so viel miteinander erlebt und sind immer in Kontakt geblieben. Meine beste Freundin heiratet nächsten Monat. Sie ist ein paar Jahre älter als ich und die erste, die sich traut. Es scheint, als finge nun das Leben für jeden von uns richtig an. Wir haben uns immer ausgemalt, wie unsere Hochzeiten aussehen würden und jetzt ist es soweit. Ich kann es kaum erwarten, das alles zu erleben und eigene Kinder zu haben.“

ÜBER DIE SORGENFREIHEIT AB 21 „Mein 21. Geburtstag war wie ein Befreiungsschlag. Davor haben mir ziemlich viele Dinge Angst gemacht. Wenn ich beispielsweise zu einem Gala-Dinner ging und mit bereits aufgefülltem Weinglas angestoßen hatte, hieß es plötzlich, ich würde Alkohol trinken. In Wirklichkeit hatte ich nur so getan, um dazuzugehören. Ebene solche dummen Kleinigkeiten. Natürlich ging ich für die After-Party einer Premiere in Bars und Clubs, aber ich habe mich nie dort eingeschlichen. Ich war nirgends, wo ich nicht auch hätte sein dürfen. Immerhin wurden hohe Erwartungen an mich gestellt und ich wollte nichts vermasseln. Der Druck kann einen verrückt machen, vor allem junge Menschen sollten Fehler machen dürfen und das habe ich auch getan, zumindest was mein Privatleben betrifft. Als ich 21 Jahre alt wurde, fiel die Last von mir ab. Ich fühlte mich freier darin, meine eigenen Entscheidungen treffen zu können.“

ÜBER IHRE ANGST VOR DEM REGIEFÜHREN „In New York habe ich sieben Jahre lang in derselben Wohnung gelebt. Zusammen mit Miu Miu habe ich letztes Jahr einen Kurzfilm darüber gedreht, das war sozusagen meine Art, mit diesem Apartment abzuschließen. Ich hatte Miuccia Prada das Skript geschickt, sie las es und schrieb mir eine sehr nette Nachricht, dass sie es gar nicht erwarten könne, das Ergebnis zu sehen. Ich hatte große Angst. Das Shooting dauerte zwei Tage und ich erinnere mich daran, wie ich am Ende des ersten Tages nach Hause kam und zu meinem Freund sagte: ‚Ich will da nicht wieder hin.‘ Am nächsten Morgen wachte ich auf und fühlte mich, als hätte ich am Abend zuvor drei Flaschen Wein getrunken. Ich war schrecklich nervös. Am zweiten Tag fühlte ich mich etwas besser und ich mir war klar, dass wenn ich acht Wochen lang gearbeitet hätte, mein Selbstvertrauen sicher mit jedem Tag gewachsen wäre. Am Ende war ich unglaublich stolz auf mich. Eines Tages möchte ich bei einem Film Regie führen. Mir liegt auch viel an der Zusammenarbeit mit meiner Schwester. Es wäre toll, wenn Elle das Drehbuch verfassen und ich die Regie übernehmen würde. Wir haben uns schon oft darüber unterhalten, weil ihr das Schreiben mehr liegt als mir.“

DARÜBER, IHREN (STUDENTEN-)TRAUM ZU LEBEN „Dass ich studieren wollte, war für mich genauso klar wie zur High School zu gehen. Daran hatte ich keine Zweifel. Wenn ich später eigene Kinder habe, die auch studieren möchten, will ich mich in deren Situation hineinfühlen können und auf Diskussionen vorbereitet sein. Auf meiner High School gab es nicht viele Möglichkeiten neben dem Lernen gleichzeitig zu arbeiten. Ich wollte meinen Job aber nicht aufgeben. Letztendlich entschied ich mich für die Gallatin School of Individualized Study in New York. Die Einrichtung war ursprünglich für professionelle Tänzer und Sänger gedacht, die neben ihrer Arbeit noch zur Schule gehen wollten. Man kann Kurse an jedem Standort der NYU besuchen. Ohne die Schule hätte meine Mutter mich nicht nach New York ziehen lassen – was immer mein Traum war. Sie fragt mich jeden Tag: ‚Und, wann machst du deinen Abschluss?‘ Ich antworte dann, dass ich ihn fast in der Tasche habe.“

DARÜBER, OFFENER ZU SEIN „Manchmal kann ich ein wenig verschlossen rüberkommen. Das bin ich eigentlich nicht, aber ich bin definitiv ein zurückhaltender Mensch und brauche etwas Zeit, um mit anderen warm zu werden. Ich bin vorsichtig bei Leuten, die das genaue Gegenteil sind und fremden Menschen direkt ihre ganze Lebensgeschichte erzählen. Das ist für mich ein Warnsignal. Ich habe mich schon gebessert, weil es mich frustriert hat, ein falsches Bild von mir zu vermitteln. Deshalb öffne ich mich mehr und mehr. Instagram ist toll, um sich gegenseitig auszutauschen, mir ist nur wichtig, dass es authentisch bleibt. Ich teile auf dieser Plattform nur echte Inhalte, Dinge und Menschen, die ich interessant und wichtig finde oder für unterhaltsam halte. Vor kurzem habe ich mit meinen Freunden ein Wochenende verbracht, so ganz ohne Fotos und Videos. Der beste Beweis, dass wir eine gute Zeit miteinander hatten. Wir haben uns nicht dazu verpflichtet gefühlt, uns ständig abzulichten. Sobald man in Panik gerät, weil man länger nichts gepostet hat, sollte man die Reißleine ziehen und das Handy mal aus den Händen lassen.“

Originaltext von Jennifer Dickinson

Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche von Katharina Hogenkamp

Online unter: Net-a-porter.com

Bild: Matthew Sprout für Net-a-porter.com

Veröffentlichung:19. Juli 2019