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Reformation Gründerin Yael Aflalo

Eine mühelose, feminine und schlichte Ästhetik macht das Minikleid zu ihrem ultimativen Must-have, verrät die in Los Angeles ansässige Yael Aflalo, Gründerin des nachhaltigen Modelabels Reformation.

Ganz gleich, ob Sie eine Hochzeit oder eine Sommerparty besuchen, mit hoher Wahrscheinlichkeit wird einer der Gäste Styles von Reformation tragen. Das Label aus Los Angeles besticht durch schmeichelhafte Silhouetten und hübsche Prints, die ganz besonders Frauen mit elegantem und gleichzeitig raffiniertem Stil begeistern. Yael Aflalo, Gründerin und CEO der Marke, hat diese verführerisch-coole Ästhetik verinnerlicht. Die 1,55 Meter große Brünette aus Los Angeles liebt ihre schlichten Minikleider. „Ich finde meine Beine sind das Beste an mir, also zeige ich sie gerne in kurzen Kleidern“, erklärt sie am Telefon von ihrem Haus in Malibu aus. Mittlerweile besäße Sie „so um die“ 20 Minikleider. Zu ihren Favoriten gehören ein schwarzes Korsagenkleid von Dolce & Gabbana, das perfekte Outfit für ein romantisches Dinner, sowie ein weißer Vintage-Kaftan mit Stickereien. „Ich trage ihn wirklich überall, beim Einkaufen oder im Urlaub zu schicken Heels am Abend. Das schwarze Slipdress von Reformation ist eines meiner wertvollstes Key Pieces, ich kombiniere es in der City am liebsten zu einer Jacke, auf Reisen auch mal ohne.“

"Unser Label interpretiert traditionelle Konventionen völlig neu. Immerhin ist es auch möglich, weiblich und voller selbstbewusster Stärke zu sein"

Reformation hat jedoch weitaus mehr zu bieten, als Schlichtheit und eine verführerische Attraktivität. Seit Gründung des Labels vor zehn Jahren hat eine stille Revolution stattgefunden und mittlerweile hat sich Reformation zu einem der weltweit führenden, nachhaltigen Unternehmen mit einem geschätzten Umsatz von mehr als 100 Millionen Dollar im Jahr 2017 etabliert. Neben anspruchsvollen Hochzeitsgästen werden die figurbetonten Basics und romantischen Kleider mit Puffärmeln von Stars wie Rihanna und Karlie Kloss zur Schau getragen. „Auch wenn ich Zugriff auf die schönsten Kleider und kostspieligsten, aufwändigsten Couture-Kreationen der Welt habe, trage ich im Alltag vorzugsweise Reformation“, verrät Kloss, gegenüber der New York Times. Erst vor Kurzem hat das Model selbst in die Marke investiert. „Die Looks sind sehr schlicht und die Silhouetten besonders vorteilhaft.“

Aflalo stammt aus einer Familie von Garmentos, einer der Grundsteine für ihre zukünftige Liebe zur Mode. „Ich habe mich als Kind wie Madonna gekleidet, da ich erst acht oder neun Jahre alt war, trug ich oft nur die charakteristischen Perlen und Armbänder.“ Deshalb überraschte es nicht wirklich, als sie im Alter von 21 Jahren ihre eigene Modemarke Ya-Ya ins Leben rief. In den späten Nullerjahren, Aflalo war gerade Anfang 30, stellte sie das Label ein und widmete sich ihren nächsten Schachzügen. Eine Geschäftsreise nach China öffnete ihr schließlich die Augen und veränderte ihre Karriere dramatisch. Die Designerin erlebte hautnah mit, welche verheerenden Auswirkungen einige der ansässigen Bekleidungsfabriken auf die Umwelt hatten. Von diesem Zeitpunkt an sah es Aflalo als ihre Pflicht an, mit ihren eigenen Kreationen das Verhältnis zwischen Mode und Natur zu verbessern und gleichzeitig eine einzigartige Ästhetik zu wahren.

"Ich frage mich stets, was ich vom Leben oder meinem Beruf erwarte, ohne mir über die damit verbundenen Schwierigkeiten Sorgen zu machen"

Reformation wurde im Jahr 2009 mit der Mission gegründet, ethisch vertretbare Mode als attraktives, stilvolles und zeitgemäßes Konzept neuzugestalten. „Unser Label interpretiert traditionelle Konventionen völlig neu. Immerhin ist es auch möglich, weiblich und voller selbstbewusster Stärke zu sein. Oder, ich kann klug, aber gleichzeitig sexy sein.“ Neben der Verwendung nachhaltiger Stoffe, der Wiederverarbeitung von Vintage-Kleidung und sichergestellten Überbeständen zieht sich Aflalos umweltbewusstes Geschäftsmodell wie ein roter Faden durch sämtliche Bereiche. Reformation produziert seit 2015 klimaneutral und mit lokal bezogenen Rohstoffen, verwendet umweltfreundliche Verpackungen und überprüft Zulieferer. Außerdem investiert das Unternehmen in ökologische Gebäudeinfrastrukturen, um Abfälle sowie den Verbrauch von Wasser und Energie zu minimieren.

„Ich wusste immer, dass [Reformation] ein Erfolg werden würde. Ich habe immer daran geglaubt“, sagt sie selbstbewusst. „Niemals werde ich vergessen, wie wir mit einem winzig kleinen Laden begonnen haben. Damals sagte ich meinen Freunden, dass wir die größte nachhaltige Modemarke der Welt werden, und sie entgegneten nur: ‚Du bist verrückt.‘“ Ehrgeizige Ziele motivieren die leidenschaftliche Unternehmerin ungemein.

„Ich frage mich stets, was ich vom Leben oder meinem Beruf erwarte, ohne mir über die damit verbundenen Schwierigkeiten Sorgen zu machen. Ich denke, man sollte seinen Fokus stets auf persönliche Wünsche und nicht auf Ängste richten. Manchmal erstelle ich ein sogenanntes Moodboard: aktuell habe ich alle meine Ziele auf ein kleines, gefaltetes Blatt Papier geschrieben, das ich in meinem Portemonnaie immer bei mir trage. Was das Unternehmen betrifft, haben wir einen Fünfjahresplan, einen Zehnjahresplan, einen Sechsmonatsplan und so weiter. Aber ich persönlich denke manchmal: ‚Eigentlich hab ich meine Meinung geändert, daran möchte ich noch weiter feilen‘, also nehme ich ein Blatt Papier und mache alles neu.“ Als Reformation noch in den Kinderschuhen steckte, klebte Aflalo Fotos von ihren „Vorbildern wie Steve Jobs [Apple-Mitbegründer] und Ruth Bader Ginsburg [Richterin am Obersten Gerichtshof]“ auf das Moodboard. Direkt daneben waren Bilder zum Thema Nachhaltigkeit angeheftet. Erst vor Kurzem hat sie ihr Label auf Net-a-Porter lanciert und präsentiert ihre eigene Schuhkollektion. Ganz offensichtlich scheint ihre Zielsetzungsstrategie aufzugehen.

Ferner verleiht Aflalo der traditionellen Office-Garderobe ein völlig modernes Update. Arbeitstage im Büro verbringt die Unternehmerin in bewährten Slipkleidern und Flats, während sie zu Konferenzen und Podiumsdiskussionen „etwas elegantere“ Silhouetten auswählt. Wenn sie für Meetings nach New York reist, trägt sie Heels von Manolo Blahnik und einen Oversize-Blazer oder „schlichte, aber hochwertige Essentials“ von The Row, Prada, Nili Lotan und Khaite. Steve Jobs war für seinen Look aus legerem schwarzen Rollkragenpullover, Jeans und Sneakers von Nike berühmt und Aflalo setzt ein ähnliches Statement mit ihren lässigen und gleichzeitig luxuriösen Minikleidern.

Originaltext von Gillian Brett

Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche von Katharina Hogenkamp

Online unter: Net-a-porter.com

Bild: Guy Lowndes via Net-a-porter.com

Veröffentlichung:17. Juni 2019